DER ST. PAULI STADTGARTEN AUF DEM BUNKER FELDSTRASSE IN HAMBURG

Von grau zu grün: Der Bunker am Heiligengeistfeld, einst mit dem Charakter einer uneinnehmbaren Festung erbaut, wird mit einem neuen Konzept weiterentwickelt und den Anwohnern zugänglich gemacht. Mit neuen Räumen für Kulturschaffende und einer neuen Idee für das Dach. Der graue Betonbunker erhält einen grünen Aufbau und einen Park, der durch eine grüne Rampe für alle zugänglich wird. Rampe und Park beginnen ebenerdig und führen einmal um den Bunker herum. Dadurch bekommt der Bunker einen grünen Charakter und wird mit der Umgebung verbunden.

Inspiration

Wie der Kontrast aus Grün und Grau wirkt, konnte man eindrucksvoll am Wilhelmsburger Flakbunker vor seinem Umbau zum Energiebunker beobachten. Die oberen Aufbauten waren mit einem dichten grünen Pflanzenteppich bewachsen, der einen deutlichen Kontrast zur rohen Betonarchitektur darstellte.

Öffentlich zugänglich

Dieses Miteinander aus Beton und Grün war die Inspiration für das Konzept des Stadtgartens auf dem Bunker. Jahrzehntelang war dieser durch die Feldstraße und das Heiligengeistfeld von seiner Umgebung abgeschnitten. Nun soll hier ein grüner Kulturpark entstehen, der den festungsartigen Hochbunker für die Bewohner des Karolinenviertels, des Stadtteils St. Pauli und der gesamten Öffentlichkeit samt allen Generationen öffnet.

Stadtgarten von und mit den Anwohnern

Auf verschiedenen Ebenen sollen in diesem Park Grünflächen mit Büdchen und Cafés sowie Bereiche für Urban Gardening und Urban Farming entstehen. Die Gartenflächen können durch die Anwohner und die Schulen aus dem Stadtteil bewirtschaftet werden. Bereits die Fassadenbegrünung des Aufbaus macht diesen Park aus der Umgebung als eine Art grünen Berg sichtbar.

Über mehrere Etagen

Der Park beginnt bereits auf Straßenniveau gleich neben der U-Bahnstation Feldstraße. Eine Rampe führt um das Gebäude bis hinauf auf das Bunkerdach. Auf der Rampe und im ganzen Park können Stadteilnutzungen verschiedenster Art Platz finden. Durch Aufzüge ist ein barrierefreies behindertengerechtes Erreichen des Parkgeländes gegeben.

Themenbezogene Gästehäuser

Unter den Park- und Gartenebenen entstehen Gästehäuser. In den Gästehäusern sollen unter anderem Kulturschaffende, für die Zeit ihres Engagements in Hamburg, sowie weitere Besucher Unterkünfte finden. Dafür ist eine Zusammenarbeit mit Hamburger Kulturinstitutionen angedacht. Interesse haben bisher z.B. das Thalia Theater, verschiedene Musikveranstalter sowie der Kunstverein bekundet. Zusätzlich gibt es permanente themenbezogene Unterkünfte, wie ein Literaturappartement, ein Bandappartement sowie eine Wohnung für bildende Künstler. In den angrenzenden Werkstätten, Ateliers bzw. Proberäumen können die Kulturschaffenden arbeiten.

Kulturelle Nutzungen

Auf zwei der ehemaligen Flaktürme ziehen Musikclubs mit Probebühnen und Übungsräumen ein. Der dritte Turm wird der Zugang zum Künstler-Gästehaus sein. Im Vierten entsteht ein kleines Amphitheater für Vorführungen und Stadtteilveranstaltungen. Über dem Bunkerdach wird ein vielfältig nutzbarer Kultursaal entstehen. Dieser Raum wird zentral betrieben und kann von verschiedenen Veranstaltern (wie z.B. auch den bereits im Gebäude ansässigen Einrichtungen Uebel & Gefährlich, Terrace Hill oder Ensemble Resonanz) für Musik, Kunst, Kino, Theater, Stadtteilversammlungen und vieles mehr gemietet werden.

Ökologisches Konzept

Auf dem Dach entstehen große Parkflächen, von denen aus man die ganze Stadt überblicken kann. Das gesamte Gebäude folgt, ausgehend von der Begrünung von Boden-, Dach- und Fassadenflächen, einem klaren ökologischen Konzept, das auf eine natürliche, ressourcenschonende Gebäudetechnik setzt.

Finanzierung und Planung

Park und innenliegende Räume werden in einem Gleichgewicht aus kultureller Nutzung und Wirtschaftlichkeit durch die erbbauberechtigte Matzen KG, die Eigentümerin des Bunkers, finanziert. Mit der Planung beauftragt sind unter dem Dach des “Planungsbüro Bunker“ die Ingenieurbüros WTM, schlaich, bergermann und partner, das Planungsbüro METAPOL und das Architekturbüro Büro51 sowie weitere Fachplaner.


Prof. Dr. Thomas J.C. Matzen von der Matzen KG:
„Der Weg, der mit der Entwicklung zum Musik- und Medienbunker bereits beschritten wurde, wird mit den öffentlichen Gärten und dem Park fortgesetzt. Geplant ist eine Finanzierung im Gleichgewicht aus Wirtschaftlichkeit und kulturellem Anspruch. Für dieses Gleichgewicht und die Schaffung des St. Pauli Stadtgartens sowie seinen Unterhalt stehe ich auch zukünftig ein.“

Beteiligung des Stadtteils

Die Ursprungsidee stammt von Bewohnern des Stadtteils und wurde zusammen mit den Architekten initiativ an den Eigentümer herangetragen. Die Einbindung der Anwohnerinteressen hat dabei von Anfang an die Grundlage der Planung gebildet. Die gesamte Grünanlage sowie weitere Räume werden gemeinsam mit dem Stadtteil geplant. Alle sind eingeladen, mitzumachen! Zusätzlich soll ein Anwohner-Kuratorium gebildet werden. Den Anwohnern wird keine fertige Planung präsentiert, sondern es geht darum, gemeinsam die bisher ungeplanten Flächen zu füllen. Als Treffpunkt und Anlaufstelle gibt es vor dem Bunker einen Planungscontainer. Darüber hinaus wird es während des gesamten Projektverlaufs regelmäßige Informationsveranstaltungen geben.


Der Planungsprozess des Projekts “St. Pauli Stadtgärten auf dem Bunker“ steht auf zwei Säulen:
Die eine bildet das “Planungsbüro Bunker” für alle übergreifenden Planungsfragen und Nutzung der entstehenden innenliegenden Räume;
die andere das Projekt “Hilldegarden“ für die Planung der Grün- und Gartenflächen sowie deren Nutzung zusammen mit dem Stadtteil.